Der Mythos vom Multitasking

Wenn wir zwei oder mehrere Dinge gleichzeitig durchführen, können wir die einzelnen Tätigkeiten noch sinnvoll durchführen?

Allgemeine Fragen

  • Ist Multitasking sinnvoll?
  • Wie beeinflusst uns Multitasking?
  • Wie kann man Multitasking reduzieren oder gar verhindern?

Beschreibung

Sehr viele Menschen haben das Bedürfnis zu multitasken. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass wir uns im Alltag mit zig Technologien, wie etwas dem Smartphone, Spiele und anderen Dingen beschäftigen, die uns die Aufmerksamkeit rauben und uns zugleich mit ihnen vollstopfen. Doch sind wir damit wirklich produktiver und zugleich effektiver wie so oft behauptet? In vielen der Umfragen zum Thema Multitasking[1] wurde unter anderem die Frage gestellt: "Glaubst Du, dass dir Dinge besser oder schlechter gelingen, wenn du mehr als eine Sache gleichzeitig durchführst?". Ebenfalls wurde gefragt, wie viele Dinge die meisten Befragten gleichzeitig unternehmen oder ihnen Aufmerksamkeit schenken. Viele beschreiben zu multitasken, weil sie meinen, keinen Ausweg zu sehen und selber kein Wahl zu haben. Oft wird dabei der Zeitmangel als Grund angeführt oder Deadlines die dringend bis dann-und-wann erledigt sein wollen, weshalb sie parallel an vielen Dingen gleichzeitig arbeiten oder glauben dies zu müssen. Doch sind wir allein des Menschseins mittels unserer Schaltzentrale, dem Gehirn, eigentlich dafür ausgelegt? Sind wir wirklich dazu in der Lage mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen; wie wir selber immer glauben? Was passiert wenn wir uns doch zu viel zumuten?

Kurz gefragt, kurz erklärt

Dies wollte ich von Prof. Dr. Clifford Nass[2] [3] etwas genauer wissen. Jedoch wollte ich erst einmal verstehen, wie häufig (Prävalenz) sich Multitasking im Alltag bemerkbar macht und wie sich das Verhalten im Laufe der Zeit veränderte. Nass meint, dass sich Multitasking seit der industriellen Revolution massiv verstärkt hat. Da die Menschen mit dem Erscheinen neuer Medientechnologien angefangen haben, ihre eigene freie Zeit mit nichtmedialen Beschäftigungen, von der Dauernutzung abzuziehen. Damit ist die Zeit der Mediennutzung seit der 1970 Jahren massiv angestiegen.

In seiner zu Multitasking entstandenen Studie[4] zeige sich ganz klar, dass die Menschen nicht nur regelmäßig multitasken, sondern dabei auch noch sehr schlecht abschneiden. So scheint es auch so zu sein, dass diejenigen die regelmäßig Multitasking betreiben, eher schlechter darin werden. Je mehr die Probanden also multitasken, desto schlechter schnitten sie in Denk- und Logiktests, aber auch in den Bereichen der Empathie und Einfühlungsvermögen ab. Nass betonte auch: je mehr wir multitasken, um so schneller gelangt unser Hirn in einen Modus in dem wir das Multitasken nicht mehr abschalten können. Unser Gehirn sucht ständig nach Ablenkung. Vor allem im Straßenverkehr führt dies zu Problemen. Denn das Gehirn versucht sich ständig abzulenken, auch wenn da gar nichts vorhanden ist, was für Ablenkung sorgen würde. Längst hat die Forschung[5], so Nass, Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Multitasking auch anhaltende Auswirkungen auf die soziale und emotionale Gesundheit hat.

Ausgeprägte Multitasker*innen scheinen emotional weniger Intelligent zu sein und ein geringes Selbstwertgefühl zu besitzen. Oft haben sie weniger Möglichkeiten sich mit Freunden auszutauschen oder sich unmittelbar ihrer Umgebung mitzuteilen. Doch es gibt auch einiges was wir tun können um das Chaos im Hirn zu verhindern oder den Drang nach immer mehr Informationen abzufedern, so Nass. Dabei rät er, sich voll und ganz der aktuellen oder gerade begonnenen Aktivität zu widmen. Denn viel zu oft begegneten ihm Menschen die meinten: "Das dauert doch nur eine Minute, die Mails zu checken!". Sie meinten aber auch, dass es ihnen meist nichts bringe - Doch warum tun sie es dann? Der Trick, so Nass, ist die 20-Minuten-Regel. Etwa, indem man sich eine feste Zeitspanne (etwa 20 Minuten) einräumt und in dieser Zeit nur die Mails anschaut ohne dabei in andere Nebenaktivitäten zu versinken. Er rät vor allem die "Face-to-Face" Zeit zu berücksichtigen und in Gesprächen das Handy abzuschalten; damit wir Menschen uns wieder in die Augen schauen.

Zusammenfassung

  1. Die negativen Effekte beim Multitasking liegen in der Konzentration und Leistung: denn wir glauben um so produktiver zu sein wenn wir multitasken. Doch das Gegenteil ist der Fall.
  2. Eine Technik um Multitasking zu verringern ist:
    • 20 Minuten Regel: mache etwas exakt 20 Minuten lang. Dafür aktiv ohne dich dabei stören zu lassen oder nebenbei etwas neues anzufangen.
    • Teile dir deine Zeit gut ein. Du musst nicht 5x am Tag die Mails checken oder in einem sozialen Netzwerk, nach überlebenden schauen.
  3. Multitasking ist negativ und hat soziale Auswirkungen: denn es ist nicht nur ineffektiv, zuweilen für dich und deiner Psyche gefährlich. Schalte daher deine Geräte ab und nimm dir die Zeit mit echten Menschen allein ohne den Funkwecker der dich ständig ablenken will.

Fazit

Womöglich hat die Technik die meisten Menschen mehr für sich eingenommen, als sie selbst bereit sind sich einzugestehen. Gleichwohl haben wir uns als Gesellschaft zu wenig mit den Folgen und den wachsenden Problemen auseinandergesetzt. Viele Apps und Technologien sind weniger Unterhaltung für die Menschen, als der Unterhalt für Großfirmen und Tech-Giganten. Sie sind zur Ablenkung gebaut, denn Werbung funktioniert nach genau den selben Prinzipien: je mehr Ablenkung desto mehr Werbung[6] und damit mehr Umsatz. Diese einfachen aber fatalen Zusammenhänge zeigen, das Kommunikation nicht für die Menschen, sondern für den Markt und deren Mechanismen und Strategien entwickelt werden. Sie werden darauf hin optimiert uns abzulenken und je mehr wir dieser Idee nachkommen, desto stressiger wird der Alltag. Nehme dir daher den Raum zu Atmen und hinterfrage vielleicht öfter, was Dir im Leben wichtig ist, als zu schauen was Anderen wichtig scheint.

(mc, 2021, Ref.: 1)

Literatur und Links

  1. Wikipedia: Multitasking (Psychologie), l. A. 2021, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Multitasking_(Psychologie)&oldid=210039400
  2. Clifford Nass, UNI Princeton Lib.: https://catalog.princeton.edu/catalog/3717231
  3. Wikipedia: Clifford Nass, l. A. 2021, https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Clifford_Nass&oldid=1000265722
  4. Strayer, D. L., Watson, J. M., & Drews, F. A. (2011). Cognitive distraction while multitasking in the automobile, l. A. 2021, https://doi.org/10.1016/B978-0-12-385527-5.00002-4.
  5. B. H. Ross (Ed.), The psychology of learning and motivation (Vol. 54, pp. 29–58). Burlington, MA: Academic Press, l. A. 2021, https://psycnet.apa.org/record/2004-00153-000
  6. Das Update, das Facebook nicht gefällt, l. A. 03.02.2021, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/facebook-apple-datenschutz-101.html
Category: Allgemein Kurz erklärt

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